Du möchtest Deine Ängste besiegen. Es sei an der Zeit. Gerade jetzt in der Zeit von Corona, merkst du, wie dich die vielen Ängste begleiten.

„Hattest du denn schon immer Ängste?“

„ Einmal hörte ich, dass wir alle von Ängsten getrieben würden. Nein, das wollte ich nicht glauben, denn ich fühlte mich absolut psychisch gesund und stark. Was? Angst? Ich? Mit Dreissig, gut verheiratet, glückliche Mutter, schönes Zuhause, Teilzeitjob... ich fühlte mich geborgen im Netz von Familie und Freunden.“

„Und was ist dann passiert?“, will ich wissen.

„Das Leben hat mich eingeholt. Ohne Vorwarnung wurde alles anders. Scheinbar lebte ich auf meiner Insel, wollte vieles gar nicht sehen, schaute nur durch die rosarote positive Brille. Mein Mann wollte die Scheidung und die Welt stürzte in sich zusammen.

Da wurden mir meine Ängste bewusst. Und ich lernte, dass sie alle in mein Leben gehören: die Angst übersehen zu werden, die Angst mich nicht durchsetzen zu können, nicht zu genügen, die Kontrolle zu verlieren ... bis hin zur Angst vor Verlust.“

„Und wo stehst du jetzt?“

„Ich habe panische Angst vor Corona.“

Und dann erzählst du mir von deinem Rückzug, von den schlechten Nächten, von der Sinnsuche, der Einsamkeit und der Depression.

Unsere ganze Welt scheint im Moment unter dieser Depression zu leiden. Da braucht es schon grosse Kraft, sich über Wasser zu halten.

Dies sei ein schlechter Trost, du wollest jetzt etwas tun gegen diese Ohnmacht.

Der erste Schritt ist getan: Du stellst dich deinen Ängsten. Du willst dir bewusst werden, was abläuft, möchtest dir begegnen. Dazu gratuliere ich dir und bedanke mich. Denn so wirst du zur Friedensstifterin und davon hat unsere Welt nie genug. Auch wenn du mich nun ungläubig anschaust, ich meine es ernst. Denn ich glaube daran, dass wir uns unsere Welt selbst erschaffen. Wir haben Einfluss auf sie und  entscheiden uns für oder gegen etwas. Selbst wenn wir nichts tun!

Der Anfang liegt in uns und wir können jederzeit etwas Altes ablegen und etwas Neues aufnehmen. Hirnforscher haben dies bereits belegt.

Bewusstwerdung ist wie ein Zaubermittel, welches hilft, das Neue zu finden. Denn es ist nicht immer so, wie etwas auf den ersten Blick scheint. Im Moment beherrscht die Angst vor Corona die Welt. Und wenn wir in die Spitäler und auf die Statistiken der Coronatests schauen, hat diese Angst durchaus Berechtigung. Doch sag, hilft dir das weiter?

Wir könnten gleichzeitig den Terror ins Visier nehmen, das Klima, die Kriege, die Artenvielfalt, die Wirtschaft, die Pornoindustrie, Diskriminierung, Amerika etc. etc.

Unsere Welt bietet so viele Baustellen und überall ist Angst berechtigt. Doch das befördert uns augenblicklich ins Lager der Schwarzseher, Rechthaber oder Panikmacher. Wie also sieht ein sinnvoller Umgang mit der Angst aus? Wir können sie weder besiegen, noch schön reden, noch abschaffen. Wir können nur lernen, mit ihr zu leben. Wohl oder übel: wir müssen uns ent-wickeln.

„Was steckt denn hinter deiner Angst? Was will sie dir sagen?“

„Je mehr ich mich mit ihr auseinandersetze, desto mehr zieht es mich runter!“

„Genau.

Du könntest dich entscheiden: Habe ich Angst oder hat die Angst mich?

Wenn ich Angst habe, dann bin ich vorsichtig und achtsam im Leben unterwegs. Wenn die Angst mich hat, dann zieht sie mich hinunter und hat Macht über mich.

So kann ich mit all meinen Gefühlen verfahren. Ich habe ein Gefühl oder das Gefühl hat mich. Der Unterschied ist klar erkennbar. Und je nach Entscheidung nehme ich eine entsprechende Haltung ein, die Haltung wiederum bestimmt mein Verhalten. Weisst du, Gefühle sind niemals schlecht, sie zeigen uns etwas, weisen auf etwas hin, fordern uns auf. Ich kann Fragen stellen und finde Antworten, die mich wieder weiter führen.

So frage ich dich: „Ist es die Angst vor dem Tod, die dich so umtreibt in der ganzen Coronageschichte?“

Diese Frage treibt dir Tränen in die Augen und ich hake nach. Vieles ist auf einmal präsent, was über Jahre im Unbewussten eingeschlossen blieb. Du bist in Verbindung mit dir und deinen Lieben. Jetzt kommen Geschichten auf den Tisch, alle handeln von Verlust und Schmerz. Wir sortieren, versuchen zu verstehen, machen den Blick weit und gehen durch viele Wellen. Langsam verstehst du, kannst annehmen, dich versöhnen mit dem was nicht zu ändern ist und ein Leuchten kommt in deine Augen, eine Kraft steigt in dir hoch und du nickst.

„Jetzt ist es ruhig geworden.“

Hinter der Angst vor Tod und Krankheit bis hin zur Angst vor Demokratieverlust kann eine tiefe Angst stecken, die eine happige Geschichte aus dem Leben der eigenen Familie verbirgt und die erlöst werden könnte. Wir suchen und kämpfen im Aussen und vergessen die inneren Kriegsschauplätze, weil sie nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, wir sie ruhen lassen wollen...  und trotzdem wirken sie und schmerzen.

Wenn ich im Reinen mit mir und meinem Schmerz bin wird es ruhig und still... dieses Gefühl ... ich nenne es Frieden.

So wünsche ich dir, dass du deinen inneren Frieden immer wieder herholen kannst in unsere Welt und dass du die Kraft spürst, die in dir steckt, die dich lebendig hält und dich den Sturm der Zeit gelassener durchstehen lässt.

Danke und für dich persönlich

 

Edith

 

 

 

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