Umwandlung

Ich schaue ins Feuer, wieder und immer wieder. Es fasziniert und wärmt.

Was sonst noch alles passiert, kann ich gar nicht wirklich wahrnehmen. Tatsache ist, dass aus Holz und Papier ein schwarzes Häuflein Asche wird, ohne mein Dazutun. Ist erst einmal die Initialzündung getan, brennt es einfach weiter, wenn es nicht gelöscht wird.

Das finde ich faszinierend und genau das versuche ich dir zu erklären, als du mir sagst, dass du nicht daran glaubst, dass etwas einfach so sich verbessern würde.

„Etwas sollte mein Sohn schon dafür tun, sonst passiert keine Veränderung.“

„Versuche herauszufinden, wofür er brennt!“, werfe ich ein.

Das sei klar, die Musik sei es, doch das sei ein Hobby. Die Schule sei wichtiger, gerade jetzt, wo es um den Übertritt gehe. Du hättest damals die Prüfung nicht geschafft, weil du zu faul gewesen wärst, seist durchgefallen und hättest ein Jahr verloren. Und genau das wollest du ihm ersparen.

Ich verstehe deine Angst und deine Bedenken, wende jedoch ein, dass du durch dein Erleben geprägt die Sache anders betrachtest.

Du sagst, es seien vernünftige Gründe, vernünftige Überlegungen.

Wie lange versuchst du schon, deinen Sohn mit deiner Vernunft zu bewegen? Und hat es genützt?

„Nein, er gab einfach Trotz, Verweigerung, Wut oder Aggression zur Antwort.“

Ich glaube, viele Teenies steigen aus unserem Vernunfts-Denken aus. Sie wollen nicht mehr noch mehr leisten, noch mehr lernen, noch schneller, noch besser, noch schöner etc. werden. Zu Recht. Denn sind es nicht genau dieser Druck und übersteigerte Leistung, die unsere Generation stresst, zu Burnout und Depressionen führen?

Kinder suchen unbewusst nach etwas anderem als wir Erwachsene: nach Sinn, Erfüllung, Erleben, Lust.

„Und landen so bei ihren Süchten: Konsum, Alkohol, Drogen! Nein danke!“

Ja, eben, sie suchen und finden nicht. Weil es in unserer Gesellschaft oft gar keinen Platz mehr gibt für das Echte oder keine Berechtigung, keine Anerkennung etc.

Was wäre, wenn dein Sohn das finden würde, das ihn glücklich macht? Wenn er sich und sein Bedürfnis stillen kann?

Wie erlebst du ihn bei seiner Musik?

„Er vergisst die Zeit und alles rund um ihn herum.“

Wie ein Feuer, das nicht anderes tut, als nur zu brennen. Die Musik ist sein zündender Funke. Suche dort mit ihm und du wirst staunen, was sich da auf einmal daraus entwickeln kann.

Die Vernunft soll dem Herzen dienen und nicht umgekehrt. Setze bei der Initialzündung an und lass Freude entstehen. So lässt es sich einfacher zu einem Ziel kommen.

Vielleicht ist die Musik nicht sein einziger Funke, wo er findet, was ihn erfüllt. Doch es fühlt sich gut an und dient als Vergleichswert.

Gib ihm etwas Zeit und dein Vertrauen. Er wird spüren, wenn du ihm mehr zutraust und ihn nicht ständig überwachst. Manchmal braucht es unkonventionelles Denken und ungewöhnliche Wege. Der Kopf kommt in unserem durchkontrollierten Leben bestimmt nicht zu kurz, doch das Herz will seinen Platz.

Sei da für ihn, wenn er Fragen hat, begleite ihn mit guten Gedanken. Er muss eigene Erfahrungen machen, du kannst ihn nicht auf Schritt und Tritt überwachen.

Und wenn er noch ein Jahr länger braucht, bis er so weit ist, was soll’s? Ich jedenfalls glaube nicht an verlorene Jahre. Entwicklung braucht Zeit.

Das sei unglaublich schwierig, wendest du ein, du siehst immer nur, was anders sein sollte.

Weisst du, was ich glaube? Dein Sohn möchte, dass auch du mehr Herzensqualität in dein Leben holst. Wofür brennst du? Was erfüllt dein Herz? Wir werden uns deinen Baustellen zuwenden müssen, Selbstvertrauen aufbauen, dich in die Versöhnung mit deinem Leben bringen.

So lernst du mit deinem Sohn, dem Leben zu vertrauen und trotzdem nicht die Augen zu schliessen.

Du bist da, das macht dich zu seiner Mutter. Deine Angst um ihn macht dich zum Kind. Vertraue auf die kleinen Schritte und die Zeit. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ich sehe deine Qualitäten und glaube an dich und deine Führung. Dein Sohn zeigt dir, was möglich ist, was angebracht und was zu viel. Die Leitplanken setzt du, doch lass ihm dazwischen ganz viel Raum für seine Träume. und träume auch DU wieder, es ist an der Zeit!

Herzlich und für dich persoenlich

Edith

 

 

 

 

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